Warum geht Donald Trump in Krisenzeiten Golf spielen und schüttelt damit die gesamte Weltordnung mehr durcheinander als Merz und Macron im Büro? Instinktiv weiß er mehr über Gehirnfunktionen als Nobelpreisträger Daniel Kahneman. Aber wie können Sie das nutzen?  

Während alle europäischen Politiker von der regelbasierten Weltordnung schwärmen, ändert Trump einfach die Regeln im täglichen Wechsel. Diese einfache – aber nur mental entspannt herzustellende – Strategie rüttelt derzeit die Denkfähigkeiten der westlichen Politiker ziemlich durcheinander. ..

Während der Rest der Welt primär linear denkt, handelt Trump systemisch. Er beeinflusst das System. Wieso kann er das? Und wie genau funktioniert das psychologisch?

Die Ursache ist relativ einfach: Im Verständnis von Daniel Kahnemans Unterscheidung zwischen schnellem und langsamem Denken liegen zwei zentrale Fehlannahmen.

Kahnemans Label 'langsam' ist rhetorisch brillant – und kognitiv irreführend. Die Tabelle zeigt den Kern der Metapher. Danach kommt der Denkfehler:


Die unpassende Metapher von Daniel Kahneman

Das erste Missverständnis entsteht bereits durch die Bezeichnung „langsames Denken". Vermutlich ist es genauso schnell wie das „schnelle Denken" – aber es läuft durch mehr Gehirnareale und teilweise mehrfach. Von außen betrachtet wirkt es langsamer, ist es aber nicht. 

Dass der Denkvorgang länger dauert, bedeutet hier nicht, dass er langsamer ist - sondern dass er, bei vergleichbarer Geschwindigkeit, einen längeren Weg geht. Die Bezeichnung „komplexes Denken" wäre richtiger als „langsames Denken". Meines Erachtens hat Kahneman, zugunsten eines griffigen Buchtitels, die falsche Metapher gewählt.

Wie funktioniert das „langsame" komplexe Denken?

Der zweite Fehler liegt in der Eigenschaft des „langsamen Denkens", die Kahneman nicht kennt: Es ist nicht konzipiert für Problemlösungen unter Stress, sondern für hochgradig entspannte Situationen – eben dann, wenn man keinen Zeitdruck hat. Wenn die Dauer (Kahneman würde vielleicht „Schnelligkeit" sagen) keine oder eine untergeordnete Rolle spielt, dann blüht es auf.

Die schnelle Reaktion stammt aus jahrtausendealten Erfahrungen: wenn dich jemand körperlich angreift, dann denke nicht lange, sondern handele schnell. Wer lange nachdachte, war in diesen Situationen schnell tot.

Das strategische Denken, das systemisch arbeitet, blieb ganz früher denen überlassen, die entspannt blieben, weil sie nicht mehr kämpfen mussten oder konnten: den Stammesältesten.

In sehr entspannten Situationen ist komplexes Denken nicht anstrengend. Die Anstrengung entsteht meines Erachtens durch den Versuch die Aufmerksamkeit nach Innen (= Denken) und kontrollierend nach Außen (= woher kommt der Angriff?) zu richten. Fällt die Notwendigkeit der Außenkontrolle weg, weil man weiß, dass man nicht kämpfen wird, so kann man entspannt eine Lösung suchen. Viele große Erfindungen wurden in entspannten Situationen entdeckt.

Einige prominente Beispiele

 - August Kekulé berichtete, die Ringstruktur des Benzols sei ihm in einem sehr entspannten, dösenden Zustand als Bild („Schlange, die sich in den Schwanz beißt") erschienen.

- Dmitri Mendeleev fand das Periodensystem, nach intensiver Vorarbeit, in einem Erschöpfungsschlaf.

- Einstein schilderte seinen zentralen Einfall zur Äquivalenz von Gravitation und Beschleunigung (Keim der Allgemeinen Relativität) als plötzliche Einsicht, während er im Patentamt in Bern in seinem Stuhl saß.

Keiner dieser drei berichtet von einem hohen Energieaufwand. Von Mendeleev wird ausdrücklich geschildert, dass er erst nachdem er mit der Anstrengung aufhörte, die zündende systemische Idee fand.

Auch Forschungsergebnisse zur Inkubation bestätigen diese anekdotischen Beispiele: Mind wandering kann kreative Problemlösung verbessern (Baird et. al. 2012).

Trump: Golf statt Arbeitskreis - der Perspektiv-Vorteil

Während europäische Politiker sofort Arbeitskreise bilden, geht Trump golfen. Der eine denkt systemisch und ändert die Regeln, während die anderen überlegen, wie sie die Regeln möglichst günstig auslegen und befolgen. Trump bringt sich bewusst in extrem entspannte Situationen und kommt gerade dadurch psychologisch in die übergeordnete Perspektive.

Stress fokussiert das Gehirn auf die Gefahr und vernachlässigt das Ungefährliche. Wenn Sie beispielsweise ein Hund angreift, dann werden Sie das schöne Haus dahinter mit dem frisch gestrichenen Zaun überhaupt nicht mehr wahrnehmen.

Unter Entspannung beziehen wir deutlich mehr Daten mit ein: Wie sehen das Haus, die Bewohner auf der Terrasse, den frisch gestrichenen Zaun und den kleinen Welpen, der vor der Hundehütte spielt. Für eine komplexe Lösung sollten Sie möglichst viele Details einbinden.

Was Trump nun von anderen Politikern unterscheidet, ist aber nicht das „Golf spielen", sondern, dass er vermutlich trainiert hat zwischen Angriff und völliger Entspannung in kürzester Zeit zu wechseln.

Im Klartext: er bringt andere dazu monatelang auf die Gefahr zu starren, während er bereits 5 Minuten nach dem Angriff wieder im TV-Serien schaut oder eben Golf spielt. Dieser extrem schnelle Wechsel überfordert derzeit die meisten anderen Leader.

Besseres Image, gleiche Technik: Churchill

Hier ein Zitat von Winston Churchill (n. Walter Graebner 1965):

"You must sleep some time between lunch and dinner, and no half-way measures. Take off your clothes and get into bed. That's what I always do. Don't think you will be doing less work because you sleep during the day. That's a foolish notion held by people who have no imagination. You will be able to accomplish more. You get two days in one-well, at least one and a half, I'm sure. When the war started, I had to sleep during the day because that was the only way I could cope with my responsibilities."

Um die höchste Komplexität erfolgreich zu lenken, müssen wir unser System so tief wie möglich entspannen – um die Lösungen aktiv umzusetzen, fahren wir es rasch wieder hoch.

Der Wechsel zwischen Angriff und Entspannung lässt sich das durch ein gezieltes Coaching trainieren.

Testen Sie es am „Mini-Switch-Test (30 Sekunden)"

  1. 10 Sek.: zählen Sie laut „1-2-3-4…"

  2. 10 Sek.: „1-A-2-B-3-C…" (Wechsel kostet spürbar Energie, da Sie sich fokussieren)

  3. 3 × langsam und entspannt durch den Mund ausatmen (10-15 Sek.)

  4. Wieder 10 Sek. „1-A-2-B…" 

Meist läuft es jetzt glatter, weil Sie entspannter sind.



Trainieren Sie diese Gehirnfunktion

Woher weiß Ihr Gehirn, dass Sie Stress haben oder dass Sie entspannt an komplexe Lösungen denken können?


Die Grundinformation des Selbsterhaltungstriebes ist die Frage, ob der eigene Körper in Gefahr ist. Also überprüft Ihr Gehirn konstant primär Ihre körperlichen Signale wie bspw. die Variabilität Ihres Herzschlages oder Ihre Atmung. 

Sind diese inneren Signale ruhig, so weiß Ihr Gehirn, dass es die Aufmerksamkeit von der Außenwelt abziehen und auf Denkvorgänge richten kann.

Wissenschaftlich belegt

Die meisten Menschen können sich selbst, mit etwas psychologischem Fachwissen, innerhalb von 10 Sekunden in diesen Zustand bringen. Trainiert man diese Fähigkeit ca. 6 Wochen, so entsteht eine mentale Stärke, die Sie entspannt zur Lösung komplexer Situationen befähigt. Selbst kurze Phasen von Entspannung zeigen bereits signifikant positive Änderungen in unserem Gehirn, unserer Psyche und unserer Leistungsfähigkeit.

(Für Interessierte: Goessl, Curtiss & Hofmann, 2017, Balban et al., 2023, Kristoffer D. Feher et al., 2026).

Richtig gut sind Sie aber nur, wenn Sie blitzartig aus der Entspannung wieder herauskommen, um zu kämpfen, wenn Sie real angegriffen werden.


Resumee: Es ist der Wechsel, der Sie überlegen macht.

Es ist völlig verständlich Daniel Kahneman mehr zu mögen, aber dennoch Trump im Auge zu behalten.

Es ist aber ebenso verständlich, wenn Sie diesen Wechsel selbst trainieren wollen. Wenn Sie einen guten Business Psychologen kennen, dann sollten Sie ihn mal besuchen. Wenn Sie keinen kennen, können Sie sich gerne von mir coachen lassen, Face-to-Face oder online.

Diplom-Psychologe Klaus D. Krebs
Trainings – Consulting – Coaching

Homepage: www.klauskrebs.de


English summary:

In times of crisis, Donald Trump often does the opposite of what many European leaders do: instead of forming committees and working within established rules, he changes the rules and retreats into deliberately relaxing situations (like playing golf). The article argues that this behavior points to a psychological advantage: the ability to switch rapidly between stress-driven focus and deeply relaxed, high-level thinking.

The core claim is that Daniel Kahneman's popular framing of "fast vs. slow thinking" contains two common misunderstandings. First, "slow thinking" is not necessarily slower in speed; it often feels slower because it involves more brain regions and repeated processing loops—more like taking a longer route at the same pace. A better label would be "complex thinking," not "slow thinking." Second, complex/systemic thinking is not built for problem-solving under acute stress. It works best in highly relaxed states where time pressure is low and attention does not need to monitor external threat.

The text supports this with classic "incubation" examples (Kekulé, Mendeleev, Einstein) and research indicating that mind-wandering can improve creative problem-solving. Stress narrows attention to immediate danger (the "attacked by a dog" tunnel vision effect), while relaxation widens perception and allows more data points to be integrated—crucial for complex solutions. Trump's differentiator, the article suggests, is not golf itself but training the rapid "switch" from attack-mode to calm perspective and back again, which leaves others stuck in prolonged threat-focus.

A quote attributed to Winston Churchill is used to illustrate the same principle: strategic leaders may deliberately use daytime sleep to sustain performance under extreme complexity. The practical takeaway is a short "Mini-Switch Test" (counting tasks + slow exhalations) to demonstrate how brief downregulation can improve cognitive fluidity. The article closes by arguing that true advantage comes from mastering the rapid alternation between relaxation (for systemic insight) and activation (for execution), and that this switching ability can be trained through targeted coaching.