By Administrator on Dienstag, 13. Januar 2026
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Virtual Hearings in juristischen Videoverhandlungen: Was wirklich wirkt (und was überraschend schadet)

Artikel 1 von 2 – für Anwältinnen und Anwälte, die in Remote Settings (Videoverhandlung § 128a ZPO) verlässlich Wirkung erzeugen wollen. 

Virtuelle Anhörungen sind kein „normaler Termin mit Kamera". Sie sind ein anderer Interaktionskanal – mit eigenen Wahrnehmungsfehlern, eigenen Statussignalen und eigenen Risiken für Glaubwürdigkeit, Rapport und Kontrolle.

Die zentrale (oft unterschätzte) Konsequenz: Die Qualität Ihrer Argumentation bleibt gleich – die Wahrscheinlichkeit, dass sie so ankommt, wie Sie es intendieren, ändert sich. Und diese Änderung ist technisch und psychologisch beeinflussbar.

Im Folgenden bekommen Sie eine praxisnahe, sofort umsetzbare Checkliste plus drei kurze „Überraschungs-Experimente", die Sie als Anwalt /Anwältin in 15 Minuten durchführen können – inklusive wissenschaftlicher Begründung.


1. Der größte Hebel ist nicht das Bild – sondern der Ton (Überraschung Nr. 1)

Viele investieren in Licht, Hintergrund, Kamera. Der größte Bias entsteht jedoch häufig durch den Klang.

Eine Yale-Studie von 2025 zeigt: ein dünner, minderwertiger Mikrofonklang führt dazu, dass Sprecher systematisch als weniger kompetent/vertrauenswürdig beurteilt werden – bei inhaltlich identischer Botschaft.

Praxis-Implikation für Hearings/Befragungen durch Anwält

3-Minuten Fix (Minimalstandard)

2. Kamera-Winkel ist ein psychologisches Statussignal (Überraschung Nr. 2)


In Video-Settings wird Macht/Status nicht nur inhaltlich, sondern geometrisch codiert.

Praxis-Regel (einfach, robust)

5-Minuten Setup

3. Hintergrund ist kein Deko-Thema – er beeinflusst Trait-Judgements

Videohintergründe verändern Ersteindrücke (Kompetenz, Vertrauenswürdigkeit) deutlich und messbar.

Praxis-Standard für juristische Settings

Die 15-Minuten „Virtual Hearing Preflight"-Checkliste (sofort nutzbar)



Drei „Überraschungs-Experimente" 

Ideal für Teams von RechtsanwältInnen - (je 5 Minuten)

Experiment A: „Tinny-Mic Bias"

  1. Nehmen Sie denselben 30-Sekunden-Text zweimal auf:
    • einmal Laptop-Mikro
    • einmal Headset/USB-Mikro
  2. Lassen Sie 3 Kolleginnen/Kollegen blind bewerten: Kompetenz, Sicherheit, Vertrauenswürdigkeit (1–10).
  3. Ergebnis ist in der Regel eindeutig und sorgt regelmäßig für Aha-Effekte.

Experiment B: „Eye-Level Trust"

  1. 20 Sekunden Statement, zwei Versionen: Kamera von unten vs. Eye-Level.
  2. Blind-Rating: Vertrauen/Seriosität.
  3. Eye-Level ist typischerweise klar im Vorteil, wenn Vertrauen das Ziel ist.

Experiment C: „Background-First-Impression

  1. Identische Aussage, zwei Hintergründe: „busy" vs. „ruhig".
  2. Blind-Rating: Kompetenz/Professionalität.
  3. Hintergrund wirkt stärker als viele erwarten.



Wie ich Anwältinnen und Anwälte bei Virtual Hearings konkret unterstütze

Wollen Sie virtuelle Anhörungen/Befragungen als Rechtsanwälte professionell nutzen, geht es meist um drei Dinge:

  1. Wirkungs-Setup (Audio/Kamera/Background als Wahrnehmungsarchitektur)

  2. Remote-Fragetechnik & Timing (Latenz, Unterbrechungen, Gesprächsführung)

  3. Zeugen-/Mandanten-Coaching für Remote-Settings (Stimmführung, Mikro-Mimik, Antwortstruktur, Stresskontrolle).


Wenn Sie sich oder Ihre Kanzlei für Virtual Hearings auf den neuesten Stand bringen wollen, können Sie gerne einen meiner Workshops oder ein individuelles Business Coaching buchen:

Klaus Krebs: Trainings - Consulting - Coaching

Kolonnenstraße 27 10829 Berlin, Germany
www.klauskrebs.de
trainings@klauskrebs.de

Tel.: 0049 30-782 82 60
mobil: 0049 177-782 82 60





English Summary

Virtual hearings are not simply "in-person hearings on camera." They are a distinct interaction channel with different perception biases, status cues, and credibility risks. Your legal reasoning may be unchanged, but the likelihood that it lands as intended is highly sensitive to controllable technical and psychological factors.

Three practical levers matter most. First, audio quality is often the strongest credibility signal: thin, "laptop-like" sound can reduce perceived competence and trustworthiness even when the message is identical. Second, camera angle functions as a status cue: an eye-level (or slightly above) setup tends to support trust and professionalism, while a low, upward-facing laptop angle commonly undermines it. Third, backgrounds shape rapid trait judgments: a calm, real, low-distraction environment typically outperforms busy scenes or unstable virtual backgrounds.

To operationalize this, the article provides a 15-minute "Virtual Hearing Preflight" checklist (audio, camera, light, background) and three fast team exercises that reliably create "aha" moments: compare laptop vs. external mic recordings, low-angle vs. eye-level framing, and busy vs. quiet backgrounds—each rated blind for trust and competence.

Next in the series: (2) remote questioning technique (latency, interruptions, control)

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